CD Rohling

Raubkopierer sind Verbrecher

Raubkopien sind einfach nicht totzukriegen. Und damit meine ich nicht die Tatsache, dass nach wie vor illegale Kopien von Spielen erstellt und genutzt werden. Ich rede vom Begriff „Raubkopie“ selbst. Spätestens seit ein Tochterunternehmen des Hauptverbands Deutscher Filmtheater im Jahre 2003 mit der „Hart aber gerecht“-Kampagne Familienvätern mit einem Dauerbesuch bei lüsternden Knastbrüdern drohte, hat sich der Begriff ins Hirn gebrannt. So aggressiv warb bis dato selten eine Interessenvereinigung für den Schutz der Urheberrechte – und für die Bestrafung derjenigen, die diese Urheberrechte verletzen.

Initiiert wurde die Kampagne zwar hauptsächlich für die Filmbranche. Schnell machte die Botschaft aber auch bei Musik- und Spiele-Kopierern die Runde. Wenig verwunderlich, war der Vorgang des illegalen Kopierens doch für alle Medien mehr oder weniger identisch. Ob man nun Filme, Musik oder Spiele brannte bzw. über Filesharing-Programme herunterludt, war ziemlich einerlei. Entsprechend war die Aufregung auch unter Spielern groß.

Dass Urheberrechte geachtet und geschützt werden müssen, steht dabei außer Frage. Problematisch ist jedoch, wenn Begrifflichkeiten wie „Raubkopie“ unkritisch übernommen und verwendet werden. So findet sich die selbstverständliche Verwendung des Begriffs bis heute auf nahezu allen großen deutschen Spieleseiten. Das Schlagwort ist offenbar gekommen, um zu bleiben.

Dabei hat eine illegale Kopie weder juristisch noch moralisch mit Raub zu tun hat. Ein Raub definiert sich durch Diebstahl und Nötigung. Oder noch anschaulicher: „Die Tathandlungen eines Raubs erfüllt, wer eine fremde bewegliche Sache mittels Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben wegnimmt.“ (Wikipedia) Dass ein Herunterladen und Verteilen von Dateien diesen Tatbestand nicht erfüllt, ist offensichtlich. Trotzdem rutscht dem ein oder anderen Schreiberling das Wort „Raubkopie“ immer wieder mal über die Tastatur.

Einer von mehreren TV-Spots der „Hart aber gerecht“-Kampagne (YouTube: Danyel André)

An einem Mangel an Alternativen zum Wort „Raubkopie“ kann es nicht liegen. So könnte schlicht von illegaler Kopie, Schwarzkopie oder auch Warez gesprochen werden. Inzwischen ist der Begriff der „Raubkopie“ aber seit über 20 Jahren derart etabliert, dass dessen Verwendung kaum noch auffällt. Er hat in den normalen Sprachgebrauch Einzug erhalten. Bei Medien, die der Welt der Computerspiele eher fremd sind, ist die Verwendung des Begriffs folglich wenig verwunderlich. Je weiter man vom betreffenden Thema entfernt ist, desto schwieriger und scheinbar weniger wichtig ist eine akkurate Darstellung. So dürfte die Verwendung des Begriffs in der FAZ weniger Leute stutzig machen, als Leser einschlägiger Branchenmedien. So falsch der Begriff auch ist, er ist inzwischen ein geflügeltes Wort und wird entsprechend unkritisch übernommen.

Doch zumindest die Journalisten, die schon seit Jahren über die Film- und Spiele-Branche schreiben – also über die Branche, für die der Begriff „Raubkopie“ hauptsächlich erdacht wurde – sollten kritischer mit derlei Wörtern umgehen und in letzter Konsequenz auf eine Verwendung des Begriffs verzichten.

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