Woran Two Point Hospital krankt

Um es vorweg klar zu sagen: Two Point Hospital macht Spaß! Aber leider nicht lange genug. Das Spiel krankt an einigen entscheidenden Punkten, so dass aus dem inoffiziellen Theme Hospital Nachfolger eher ein kurzer Spaß-Infarkt, denn chronische Unterhaltung geworden ist.

Dabei haben die Entwickler von Two Point Studios wirklich ganze Arbeit geleistet, den Charme und Witz des geistigen Vorgängers Theme Hospital in ihr Spiel zu übertragen. Die Krankheiten und entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten sind wunderbar abgedreht, das Personal schrullig und spätestens wenn verstorbene Patienten als Geist durch die Klinik geistern, wird auch Nicht-Eingeweihten klar: das hier ist keine Hardcore-Manager-Simulation, sondern eine WiSim, die sich bei ihrer Thematik nicht ganz so ernst nimmt. Also genau das, was Fans des „Originals“ von einem Nachfolger erwarten.

Perfekt dazu passt der ansprechende Cartoon-Stil des Spiels und das Radio, das mit Musik sowie lockeren Sprüchen und Kommentaren des Radiomoderators für eine angenehme und stimmige Spielatmosphäre sorgt.

Abgedrehte Krankheiten sind ein Kernelement des Spiels: hier der Glühbirnen-Kopf, dem man mit einem Delux-Entleuchter auf den Leib rückt: Glühbirne vom Hals schrauben, Kopf drauf, fertig.

Diese Kombination aus Witz, Charme, Optik und Atmosphäre ist es auch, die den Einstieg in Two Point Hospital zu einem gelungen machen. Wer dazu noch gerne Räume aus dem Boden stampft und sich um Fragen wie Finanzen, Personal und so weiter kümmert – und das dürften die meisten sein, die eine WiSim spielen – kommt hier zunächst wirklich auf seine Kosten. Insbesondere, weil die Bedienung gut von der Hand geht und neue Räume oder Spielmechaniken, leicht verständlich eingeführt werden. Man könnte sagen: es flutscht einfach!

Das heißt: Empfang, allgemeine Diagnosezimmer, Behandlungszimmer, Stationen mit mehreren Betten und noch viele weitere Räume gilt es zu bauen und einzurichten. Und das insbesondere im späteren Spiel möglichst platzsparend, denn früher oder später bilden sich aufgrund der hohen Anzahl an Patienten (die natürlich unserem blendendem Ruf geschuldet ist!) richtiggehend Staus im Krankenhaus, die einen an das Verkehrschaos in SimCity erinnern. Da will gut überlegt sein, wo der nächste Snackautomat oder die nächste dekorative Zimmerpflanze stehen sollen. Etwas schade bei den Deko-Elementen wie besagter Pflanze ist jedoch, dass es reicht, dass sie in einem gewissen Umkreis für sogenannte Attraktivität sorgt ohne wirklich sinnvoll platziert sein zu müssen. Bei zwischendurch aufploppenden Aufträgen wie „Steigere die Attraktivität deiner Klinik auf 80%“ reicht es, leere Krankenhausflügel mit Pflanzen zuzuballern, um den Auftrag zu erfüllen. Ähnliches gilt für das Ausstattungslevel von Zimmern. Soll dieses gesteigert werden, genügt es zum Beispiel die Wand mit der immer gleichen Gold-Urkunde zuzupflastern, bis das Programm erkennt, dass genügend hochwertige Deko-Elemente vorhanden sind. So schleicht sich das Gefühl ein, dass diese schlecht umgesetzte Mechanik von Attraktivität und Ausstattung nur oberflächlich ins Spiel integriert wurde, um mehr Abwechslung bieten zu können.

Zimmer wie hier normal einzurichten macht Spaß, artet bei gewissen Aufträgen aber in ein Ausnutzen der schlecht umgesetzten Attraktivitätsmechanik aus.

Denn genau daran mangelt es Two Point Hospital leider im allgemeinen. Zwar macht es am Anfang Spaß, die Räume zu errichten und Personal einzustellen. Nur leider machen wir dabei ständig das gleiche, weil das Spiel uns zwingt, immer wieder ein neues Krankenhaus zu beginnen. Sind alle Errungenschaften und Räume für ein bestimmtes Krankenhaus freigeschaltet, geht es dort nicht mehr weiter. Stattdessen bieten sich auf einer Weltkarte nach und nach neue Standorte an, an denen wir das Krankenhaus von Null an neu errichten. Diesmal zwar mit den freigeschalteten Räumen aus den vorherigen Krankenhäusern, wer aber zum zehnten Mal einen Empfang oder zum zwanzigsten Mal ein Diagnosezimmer gebaut und eingerichtet hat, wünscht sich bald eine Copy&Paste-Funktion der Räume, um nicht ständig die gleichen Schritte wiederholen zu müssen. Diese Funktions hat Entwickler Two Point Studios inzwischen zwar tatsächlich eingebaut, aber natürlich beraubt man sich damit auch des Kernelements des Spieles, nämlich ein Krankenhaus zu errichten.

Der Inhalt des Spiels ist durch die zwingende Freischaltung neuer Standorte also künstlich gestreckt und zwar auf eine Weise, die derart ermündend ist, dass man das Spiel nach spätestens zehn Stunden zur Seite legen möchte. Ob einem das 30€ wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Wer mit immer gleichen Abläufen und nur sehr zähen Freischaltung neuer Räume und Einrichtungselemente kein Problem hat, dürfte auch über einen längeren Zeitraum Spaß mit Two Point Hospital haben. Zumal die neuen Krankenhaus-Standorte auch immer eine kleine, unterhaltsame Geschichte erzählen, die den Schwerpunkt des Krankenhauses (z.B. Psychiatrie) umrahmen. Alle anderen müssen damit rechnen, dass Two Point Hospital ein eher kurzes Vergnügen wird – aber trotzdem ein Vergnügen.

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